Harvard (College Library

FROM THE BEQUEST OF

EDWIN CONANT, (Class of 1829).

This fund is $28,000, and of its income one quarter shall be spent for books and three quarters be used for the general purposes of the Library. Vote of the President and Fellows,

May 28, 1892.

Received A 1702 2 fan. [905

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MITTEILUNGEN

des

österreichischen Vereins für Bibliothekswesen,

herausgegeben vom

Vereins-Ausschusse,

redigiert von

Dr. August Weisz.

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WIEN. In Commission bei Gerold & Comp. 1902.

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Alle Rechte vorbehalten.

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Inhaltsverzeichnis.

Seite

Meyer, J. Leithes bibliothekarische Tätigkeit in Wien (1874—1896) . 1, 49, 97

Mantuani, J., Ein unbekanntes Druckwerk (Mit 1 Faksimile). . . .. 7 Himmelbaur, J., Die Vorschriften für die Katalogsarbeiten der k. k.

Hoi-Biblothek: + ;L5 pui dal e enne e 20

Verwertung der Doubletten der staatlichen Bibliotheken ........ 31 Wilhelm, F., Die historischen Handschriften der Universitäts-Bibliothek

19: Innsbruck... SAR ne en ee 34, 67, 106

Crüwell, G. A., Der neue Katalog der „Bibliotheque Nationale“ in Paris 59 Truhlaf, J., Verzeichnis der neugeordneten handschriftlichen Cimelien

der Universitäts-Bibliothek in Prag. . . . . 2 2 2 2 2 22... 102, 147 Doublier, O., Der neue alphabetische Bandkatalog der Universitäts-

Bibliothek in Wien .. 4. 25699 09 o9 RR UK 9s 111 Hittmair, A., Der internationale Inkunabel-Katalog . . . . . .... 114 Versammlung deutscher Bibliothekare in Jena (Doublier) ...... 145 Ahn, F.. Zwei Einblattdrucke aus Georg Widmanstetters Druckerpresse

In-Grüz. 1e 4 AE I ra S ur TRS a a 145 Hittmair, A. Verweisungstátelehen . . . .. ........ lr. 156 Bibliothekarische Vereine und Versammlungen (C—ll) . .. .. .... 158

Besprechungen:

Schmidt, Die Reform der ùsterr. Bibliotheksverwaltung (Doublier) . . 39 Schattenspiel-Bibliographie (Bohatta) . . . . . . . .. NP 41 Bibliographie der stenographischen Literatur Deutschlands (B) . . . .. 42 Neue periodische Bibliographien des Buch- und Bibliothekswesens. . . . 43 Eine neue Kassette für Zettelkataloge (Hittmair) . . . . ....... 44

Holzmann und Bohatta, Deutsches Anonymen-Lexikon (Grolig) . . 14

Meier, Der Bibliothekskatalog des Stiftes Heiligenkreuz v. J. 1374 (BAmpel) ri. u ch u ar Be en Ei ER ER RIES 77

Seite

Weinberger, Catalogus catalogorum (Frankfurter) . . 2 2 2.2.0. 78 Systematisch geordnetes Verzeichnis der in der k. k. Landes-Bibliothek in Klagenfurt vorhandenen neueren Literatur (Himmelbaur). . . . . 79 Katalog der Bibliothek des k. k. österr. Museums für Kunst und Industrie (Groligr uox Se SSR. De wa De xe s SI Bibliotheek der Universiteit van Amsterdam. Boeken over de roomsch- kathoieke Kerk (H. B) .................... 8l Kircheisen, Bibliographie Napoleons (Grolig) . . . ........ 33 Jahrbuch der deutschen Bibliotheken (J. D) ............. 123 Verzeichnis der aus der neu erschienenen Literatur von der k. Bibliothek in Berlin erworbenen Druckschriften (Himmelbaur). . . . . . . . . 124 Jellinek, Internationale Bibliographie der Kunstwissenschaft (Rott.) 128 Bibliothek des Tiroler Landes-Ausschusses in Innsbruck (—r). . . ... . 130 Graesel, Handbuch der Bibliothekslehre (I. Himmelbaur. II. Weinberger) 160 Zibrt, Bibliografie éCeské historie (Wolkan). . . . . . 2: 2 2 2 . ... 171 Kürschner, Handbuch der Presse (Bohatta) , . . .. ....... 175 Sinnyei, Az elsó magyar bibliographus (Réesey) . . . . . . ... .. 176 Aus österreichischen Bibliotheken . . . .. ....... 44, 83, 132, 178 Vereins-Nachrichten . . . 2 2: cn mn nen 46, 84, 135, 181 Personal-Nachrichten . .. . .. .. . ......... 48, 98, 138, 185 Vermischte Nachrichten . . . .. ....... s... ls. n 94, 140, 158

Buchdruckerei E. Kains & E. Liebhart, vormals J B. Wallishausser, Wien.

MITTHEILUNGEN |

österr. Vereines für Bibliothekswesen.

VI. Jahrgang. Wien, den 3. Februar 1902. Nr. 1.

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Erscheinen in zwanglosen Heften; für die Mitglieder unentgeltlich. Abonnementspreis

für Österreich-Ungarn 4 Kronen, für das Ausland 3 Mark 50 Pf. jährlich. In Commission

bei Gerold & Comp., Wien, I., Stephansplatz, Zuschriften sind an den Redacteur der „Mittheilungen“ Dr. August Weisz (Wien, I., Universitäts-Bibliothek) zu riehten.

Inhalt: Leithes bibliothekarische Thätigkeit in Wien (1874—1896). Von Reg.-R. J. Meyer. (Fortsetzung.) Ein unbekanntes Druckwerk. Von Dr. Josef Mantuani. Die Vorschriften für die Katalogsarbeiten der k. k. Hof- Bibliothek. Von Dr. J. Himmelbaur. Verwertung der Doubletten der staatlichen Bibliotheken. Die historischen Handschriften der Universitäts-Bibliothek in Innsbruck. Von Dr. F. Wilheim. (Fortsetzung.) Literarische Besprechungen. Aus österreichischen Biblivtheken. Vereins-Nachrichten. Personal-Nachrichten.

Leithes bibliothekarische Thätigkeit in Wien (1874—1896). `

Von Regierungsrath Josef Meyer.

(Fortsetzung.)

Leithe war aber auch bemüht, die zur Bücheranschaffung dienenden jährlichen Geldmittel soviel als mörlich zu vermehren. In dem Berichte vom 28. October 1876 setzte er die Unzulänglich- keit der bisherigen durch Allerhöchste EntschließBung vom 10. Juli 1869 ‘Erlass des Uuterrichts-Ministeriums vom 13. Juli 1869) festgesetzte jährliche Dotation von 7000 fl. auseinander und beantragte eine Vermehrung derselben um 13.416 fl., also eine jährliche Summe von 20.416 fl. (15.764 fl. für den Bücherankauf, 62 fl. für Fracht, Zoll und Porto, 4500 fl. für den Buchbinder, 90 fl. für Säuberungs- auslagen.*) Wenn auch diese beantragte Summe nicht bewilligt worden ist, so hatte doch das obige nachdrückliche Einschreiten Leithes wenigstens einen theilweisen Erfolg; die jährliche Dotation wurde nämlich mit Erlass des Unterrichts- Ministeriums vom 9. Jänner 1877 vorläufig für drei Jahre vom Jahre 1878 angefangen mit

*) Die Matrikelgelder waren von Leithe mit jährlichen 2000 fl. im Durch- schnitte berechnet worden.

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15.000 fl. festgesetzt, und verblieb dieselbe auch in dieser Höhe in den folgenden Jahren der Amtswirksamkeit Leithes.

Auch eine Vermehrung des Personalstandes der Wiener Universitäts-Bibliothek erfolgte unter Leithes Direction, indem in den letzteren Jahren derselben außer 9 Beamten auch noch 2 Volontäre functionierten, und der Status der Diener um 2 Aushilfsdienerstellen vermehrt wurde, demnach letzterer aus 8 Köpfen bestand.

Am 13. Mai 1877 waren es hundert Jahre, dass die k. k. Universitäts-Bibliothek in Wien der allgemeinen Benützung zugänglich gemacht worden war. Leithe verfasste aus diesem Anlasse eine ein- gehende, nach den Quellen gearbeitete Schrift unter dem Titel: „Die k. k. Universitäts-Bibliothek in Wien. Eine historisch - statistische Skizze zur Säcularfeier ihrer Eröffnung am 13. Mai 1877. Wien, Verlag der k.k. Universitäts-Bibliothek. Druck von Karl Gerolds Sohn in Wien“, welche die geschichtliche Ent- wicklung und den Stand derselben zur Zeit seiner Amtswirksamkeit ausführlich darlegte. Die Halle des Bibliotheksgebäudes und die Bureauräume waren festlich geschmückt. die an einem Sonntage ab- gehaltene Feier war jedoch keine öffentliche, sondern nur eine interne; es waren nur der Beamtenkörper der Bibliothek und die Diener derselben versammelt; erschienen waren jedoch auch der damalige Unterrichts-Minister v. Stremayr in Begleitung des Sectionschefs Fiedler, sowie der damalige n.-ó. Statthalter Baron Konrad v. Eybesfeld mit dem Statthaltereirathe Freiherrn v. Kutschera, welche Herren sämmtliche Bibliotheksräume besichtigten und dieselben bei dieser Gelegenheit auf ihren Bau- und Sicherheitszustand prüften, was zur Folge hatte, dass, wie schon oben bemerkt, im Jahre 1879 die schad- hafte Decke des DBibliothekssaales im dritten Stocke entfernt und die oben besprochenen. zur größeren Sicherheit des Gebäudes dienenden Arbeiten ausgeführt wurden.

Bei der außerordentlichen Wertschätzung. welcher sich Leithe bei den für das Bibliothekswesen maßgebenden Staatsbehörden er- freute, vergieng fast kein Jahr, in welchem er nicht zur Abgabe von Gutachten in personalen, localen und allgemeinen Bibliotheks- Angelegenheiten vom Unterrichts-Ministerium oder der n.-ö. Statt- halterei aufgefordert worden wäre, oder in welchem er nicht selb- ständig derartige über seinen Wirkungskreis hinausgehende Anträge eingebracht hätte. Laut eines bei der Bibliothek der technischen Hochschule in Wien erliegenden Schriftstückes sind von Leithe in

den Jahren 1877— 1884, 25 derartive Gutachten und Eingaben, darunter zwei vertrauliche, abgegeben worden.

Immer näher und näher rückte der Zeitpunkt heran, in welchem über die ernste Frage der Unterbringung der Wiener Universitäts- Bibliothek im neuen Universitäts-Gebäude die endgiltige Entscheidung retroffen werden musste. Voll Anerkennung muss hier hervorgehoben werden, dass Leithe entschieden den Standpunkt vertrat, der Wiener Universitäts-Bibliothek müsse ein eigenes Gebäude eingeräumt werden. Schon im Februar des Jahres 1875 hatte er dem damaligen Unter- richts-Minister v. Stremayr rücksichtlich des geplanten Neubaues der Wiener Universitäts-Bibliothek mündlich seine Bedenken vorgetragen und demgremäß die entsprechenden Anträge gestellt, wesshalb er von dem Minister aufgefordert wurde, dieselben in Kürze zu Papier zu bringen. um sie zum Ausgangspunkte neuer Verhandlungen hierüber machen zu können. Leithe unterzog sich dieser Aufgabe und über- reichte dem Minister ein vom 11. März 1875 datiertes Promemoria. In diesem machte er geltend, dass das Bedürfnis nach Erweiterung der der Bibliothek zugeda:hten Räume selir bald eintreten werde, indem nach seiner Berechnung, in der er den damaligen bescheidenen Zuwachs von jährlichen 5000 Bänden zum Maßstabe nahm, schon nach einem Menschenalter die Bibliothek um 200.000 Bände mehr zählen und der zur Bücheraufstellung verfügbare Raum schon den anfäng- lichen Bestand nicht in sich zu fassen vermögen werde, welcher damals 230.000 Bände, in zelın Jahren aber, wo die Bihliothek etwa übersiedeln sollte, wahrscheinlich 300.000 Bände betragen dürfte. Um für dieselben Platz zu gewinnen und für den Zuwachs auch nur der allernächsten Jahre zu sorgen, müssten, führte Leithe weiter aus, der Universität namhafte Räume entzogen und manche bedenkliche Localitäten zur Bücheraufstellung verwendet werden. bei deren ersteren es sich frage, ob sie die Universität auf die Dauer würde entbehren können, während es von den letzteren nahezu gewiss sei, dass die Bücher in diesen halbunterirdischen Gelassen Schaden leiden müssen. Abgesehen hievon würden durch diese Annexe die eigentlichen Vortheile des der Bibliothek sainte Geneviéve nachgebildeten concentrischen Aufstellungsplanes verloren gehen, und würde eine Lage geschaffen werden. in welcher die Nachtheile aller Systeme combiniert wären, und der Bibliotheks- verwaltung rücksichtlich der Überwachung und Katalogisierung kaum zu bewältigende Schwierigkeiten bereitet würden. Er betonte weiter, dass die Bibliothek, wenn sie ein integrierender Bestandtheil les Universitäts-Gebäudes werden sollte, ilıren Charakter und ilıre „aere

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Stellung völlig verändern würde, indem sie alsdann nach der Natur der Sache und nach dem ausgesprochenen Willen der Universität aufhöre, eine Öffentliche zu sein, und dass das Schwinden eines derartigen öffentlichen Institutes, namentlich für Wien, der Haupt- stadt des Reiches, von großem Nachtheile sein würde, abgesehen davon, dass die österreichischen Bibliotheken zufolge unzweideutiger Erklärungen ihrer Stifter, und gemäß ihrer für alle gleichen Ver- fassung zunächst und zumeist Öffentliche Institute seien, auf welche das nicht akademische Publikum ebenso alte und ebenso gute An- rechte habe, als die Universitäten.

In diesem Promemoria machte Leithe dem Minister den Vor- schlag, die damalige sogenannte Universitäts-Bibliothek an der Stelle und in der Stellung, welche sie damals inne hatte, zu belassen, für die näheren Zwecke der Universität aber in den dafür bestimmten Räumen derselben eine Hand- und Haus-Bibliothek bloß zum Ge- brauche der Universität einzurichten, in welcher insbesondere die Studierenden vor, zwischen und auch nach den Vorlesungen die unmittelbar dem Unterrichte dienenden literarischen Behelfe finden und ihre Zeit nützlich zubringen könnten. Nach Leithes Schätzung wären zur Erreichung dieses Zweckes nur einige tausend relativ leicht zu beschaflende Bücher nöthig gewesen, welche aber in viel- fachen Exemplaren vorhanden sein müssten, wozu für die Professoren und Docenten die vorzüglicheren, insbesondere solche wissenschaft- liche Journale kämen, aus welchen sie sich über die neuesten literarischen Erscheinungen ihrer Fächer möglichst schnell unter- richten kóunten. wie z. B. die verschiedenen Central-Wochen- und Tagesblätter. Nach Leithes Ansicht wäre allerdings auch in dieser rein akademischen Bibliothek ein Anwachsen zu gewärtigen, aber nicht in einem so rapiden Verhältnisse, wie in der alten Universitäts- Bibliothek ; weiter ließe sich in dieser rein akademischen Bibliothek dasjenige thun, was man einer großen, mehr zur Ansammlung der literarischen Schätze für kommende Generationen, als zum Verbrauche durch die jetzige bestimmten Anstalt, wie es die jetzige Universitäts- Bibliothek ist, niemals zumuthen dürfe, dass nämlich veraltete und verbrauchte Werke von Zeit zu Zeit aus derselben ausgeschieden und erstere an andere Staats-Bibliotheken abgegeben würden; er meinte ferner, dass die Kosten der akademischen Bibliothek, was den Ankauf der Bücher betrifft, die Summe von 30.000 fl. kaum über- schreiten dürften, und dass zur Vermehrung derselben die jährlich an der Wiener Universität eingehenden Matrikelgelder, die sich nach

seiner Berechnung auf 2—3000 fl. belaufen, verwendet werden könnten. An Bediensteten bei der neuen Bibliothek wären nach seinem Vorschlage nur 1 Bibliothekar, 1 Seriptor, 2 Amanuensen und 4 Diener nöthig, und wären die für diese Auslagen erforderlichen Summen, da dieselben erst nach 7—10 Jahren (dem beiläufigen Zeitpunkte der Vollendung des neuen Universitäts-Gebäudes) in Be- tracht kämen, leicht während dieser Zeit anzusammeln, wie auch die erforderlichen Bücher bei Zeiten zusammengebracht werden könnten, um sogleich bei Eröffnung der neuen Bibliothek den noth- wendigen Apparat zur Verfügung zu haben.

Naci dem Plane Leithes wären die durch die Übersiedlung der Universität frei werdenden Räume des alten Universitäts-Gebäudes für die ursprüngliche, nunmehr rein Öffentlich gewordene frühere Universitäts-Bibliothek zu verwenden gewesen, dann hätte, wie er in dem oberwähnten Promemoria sich ausdrückt, das wissenschaftliche, gelehrte und Bildung suchende Publikum Wiens, wonach es sich längst gesehnt. eine wahrhaft öffentliche Anstalt mit gleichem Rechte und genügenden Räumen für alle, eine Anstalt, welche neu zu schaffen, was die Bücher betrifft. kaum mehr möglich, was das Ge- baude anlangt, mit ungeheuren Kosten verbunden wäre, wogegen die Studierenden in der neuen akademischen Bibliothek dasjenige fänden, was ihnen hier nicht geboten werden kann, aber die wachsenden Bücher- und Lebensmittelpreise ihnen täglich wünschenswerter machen, nämlich die Schulbehelfe in möglichst großer Zahl von Exemplaren, eine Anstalt, an welcher übrigens auch den Professoren und Docenten ihre Rechte, soweit sie mit der Ordnung einer Bibliothek vertràylich sind, nach wie vor gewahrt blieben.

Wenn auch gegen diese Ansichten, manche nicht ungegründete Bedenken vorgebracht werden können, so ist doch das eine gewiss, dass die Wiener Universitäts- Bibliothek bei dem hervorragenden Range, welchen sie unter derlei öffentlichen Instituten durch die (aröße ihres Besitzes, des Maßes ihrer Benützung und die voraus- sichtliche Weiterentwicklung einnimmt, ein eigenes Gebäude hätte erhalten sollen, welches sowohl ihrer größeren Sicherheit, als auch der Möglichkeit einer ungehinderten Entfaltung ihres Wachsthums vebürende Rechnung getragen haben würde, und hatte Leithe voll- kommen Recht, wenn er sub 1 seines Promemoria die Worte schrieb: „Es ist ein schwerer Missgriff, eine ihrem Begriffe nach zur Ver- «ròBerung bestimmte und zu diesem Behufe mit einer ansehnlichen Jahresdotation ausgestattete groBe Bibliothek in ein fremdes Ge-

bäude einzukeilen und dadurch in ihrer naturgemäßen Ausdehnung zu hindern. Wo man neue Bibliotheken baut, wie jetzt in Kiel und in Paris (Sainte Genevieve), wird ihnen ein eigenes Gebäude mit eiuer freien Area um dasselbe herum gewidmet, das sie vor Feuers- gefahr sicherstellt und ihnen erlaubt, wenn nicht anders, wenigstens in die Höhe zu wachsen, was aber hier die geplante Architektonik des umfassenden Ganzen verbietet.“ Dass diese Ansicht die richtige ist, zeigen sehr deutlich die Erfahrungen der Gegenwart, und werden noch mehr jene der Zukunft zeigen. *) | Ferstel, der Erbauer des neuen Universitàts-Gebiudes, theilte Leithe, mit welchem er schon früher mündliche Besprechungen gehabt hatte, mittels Zuschrift vom 20. März 1875 die Pläne nebst er- läuternden Bemerkungen mit, worauf letzterer mittels Zuschrift vom l. April 1875 seine Bedenken gegen verschiedene die Bibliothek betreffende bauliche Einrichtungen äußerte, und abermals betonte, dass alle diese Verlegenheiten beseitigt wären, wenn den von ihm in dem oberwähnten Promemoria ausgesprochenen Ansichten Rechnung getragen würde. Dies geschah jedoch nicht, denn mit dem Erlasse des Unterrichts-Ministeriums vom 20. März 1876 wurde Leithe eröffnet, dass im Sinne des vom akademischen Senate der Wiener Universität unterm 20. Juli 1875 erstatteten Gutachtens die auf eine Vermehrung der Bibliotheksräume in dem neuen Universitäts-Gebäude, beziehungsweise Errichtung einer besonderen akademischen Bibliothek unter Belassung der Universitäts-Bibliothek in ihrer gegenwärtigen Unterkunft abzielenden Anträge abgelehnt werden. Leitlie hatte an den die Unterbringung der Universitäts-Bibliothek betreffenden commissio- nellen Verhandlungen einigemale theilgenommen, opponierte jedoch unter Betonung seines principiellen Standpunktes den geplanten Einrichtungen, gerieth mit den Mitgliedern des diese Frage be- rathenden Comites in Conflict, und nahm an den Sitzungen desselben dann nicht weiter theil, auch verweigerte er Ferstel die von letzterem in Bezug auf manche bauliche Einrichtungen der Bibliothek angesuchten Aufklärungen und Auskünfte. In den noch im Jahre 1883 über Auf- forderung des Unterrichts- Ministeriums über diesen Gegenstand erstatteten Äußerungen suchte Leithe vorzüglich die Unzulänglichkeit der für die Bibliothek bestimmten Räume nachzuweisen, und erklärte zuletzt, unter keiner Bedingung in dieselben übersiedeln, und die

*) Vide den Aufsatz in den „Mittheilungen des österr. Vereines für Bibliotheks- wesen“, Jahrgang IV, Nr. 4 „Die alte und die neue Wiener Universitäts- Bibliothek* von Regierungsrath J. Meyer. 5S. 58 und 59.

Bibliotheksgeschäfte weiter fortführen zu wollen: selbst sehr beachtens- werte, vortheilhafte Anerbietungen, die ihm von akademischer Seite gemacht wurden, wies er zurück. Wie selır dieser Mann an den von ihm gefassten Gedanken der Errichtung einer selbständigen Staats- bibliothek festhielt, beweist der Umstand, dass er eigens eine Zusammen- stellung und ein Verzeichnis jener Bücher machte, welche den Zwecken der im neuen Gebäude zu errichtenden rein akademischen Bibliothek entsprechen sollten.

Leithe hat nach erfolgter Übersiedlung die Räume der neuen Bibliothek nie betreten. Über sein Ansuchen erhielt er zunächst einen vom 14. Juli bis 23. August 1884 währenden Urlaub, welcher aber bis zu seiner im Jahre 1885 erfolgten Ernennung zum Bibliothekar der technischen Hochschule in Wien verlingert wurde. Die Leitung der Übersiedlung in das neue Bibliotheks - Gebäude und die weitere Führung der Bibliotheksgeschäfte war dem damaligen Custos (nun- mehrigen Bibliothekar, Regierungsratli) Dr. Ferdinand Grassauer übertragen worden, welcher schon anfangs 1884 vom Unterrichts- Ministerium zum Mitgliede der für die Übersiedlung und Einrichtung der Bibliothek bestimmten Commission ernannt worden war und in dieser Eigenschaft die bezüglich der neuen Bibliothek erforderlichen Erhebungen gepflogen hatte. (Fortsetzung foigt.:

Ein unbekanntes Druckwerk.

Von Dr. Josef Mantuani.

Die Musikaliensammlung der k. k. Hof-Bibliothek in Wien besitzt unter den musiktheoretischen Werken einen Druck ohue Angabe des Auctors, des Druckers, des Druckortes und des Jahres, das nur durch die kurze Überschrift .Musica* charakterisiert ist. Der Versuch, durch die kleinen handschriftlichen Besitzvermerke: „Fridericu a vurda me possidet“ und tiefer unten: „Petrus Meduanus“ (?) irgend einen Fingerzeig zur Festlegung des Druckes zu gewinnen, erwies sich wenigstens vorderhand als vergeblich.

Das Werkchen besteht aus 14 in drei Lagen gehefteten Blättern. Diese ınessen, Jetzt ziemlich stark beschnitten, 191 X 133 nım. Von den Lagen ist die erste sechshältig und trägt auf dem zweiten Blatte den Zeiger Aij, auf dem dritten Aisj; das As auf deren erstem Blatte ist wegen des später zu erwähnenden Ciiches ausgeblieben. Die zweite vierhältige Lage hat auf den beiden ersten Blättern die Bezeichnung Bi und Dij (sic! statt Bij), die dritte und letzte, ebenfalls vierháltige, Ci und Cij.

Die Type ist die streng gezeichnete, verticalschaftige, scharf gebrochene gothische, von 2:8 mm (Mittellinie), 3:5 mm (mit Ober- oder Unterlänge) und 4 mm (mit Ober- und Unterlänge, sowie für Versalien, Kegelhöhe. Die gothischen

Mujuskelversalien bei Capitelanfängen haben 8°5 mm, andere, regellos gesetzte, 45 mm Kegelhóhe. iSiehe Facsimile.)

Die zgauze Hóhe des 33zeiligen Satzes betrügt 166 mn, die Breite (ohne die Randglossen) 96:5 mm. Die Glossen selbst haben eine Breite von 28 mm, während der Zwischenraum zwischen Satz und Glosse 2 mm beträgt. Die Höhe des fünflinigen Notensystems misst 13—14 mm und ist. da die Linien (Leisten) in Holz geschnitten sind, sehr variabel. Die zehnlinigen Übersichts-Systeme sind 30:5—32 cm hoch.

Die „Guidonische Hand“ auf der ersten Seite, ferner die für Notenbeispiele bestimmten Linien im Texte, endlich die Ligaturen und Pausen, die einzelnen Notenformen und die Tabelle der acht Kirchentöne sind in Holz geschnittene Clichés. Dagegen sind die Notensysteme für die ausgeworfenen Glossenbeispiele aus einzelnen Stücken zusammengesetzte Linien von Metalltvpen. Die Noten- beispiele bestehen aus Theilclichés von je fünf Linien; sind auf einer Seite mehrere Systeme, ist für jedes derselben ein eigenes Cliché angewendet worden. Die zehnlinigen Übersichtssysteme sind aus zwei Clichés zusammengesetzt. Die Noten selbst sind in dieser Ausgabe handschriftlich nachgetragen.

Der Inhalt vertheilt sich folgendermaßen:

Fol. 1a: ,Mufica“. Darunter die „Guidonische Hand“, auf deren inneren Fläche ein Spruchband angebracht ist mit der Legende: „Ubfque manu fruftra difces per plurima Iuftra“.

Fol. 1b: @,De definitione mufice ciufque diufione...” bis: „due mature. ac due b“

Fol. 2«: „molli afcribuntur b durales autem in g...” bis: „ut alamire“ (im Beispiel).

Fol. 2b: „cfolfaut dlafolre...” (im Beispiel) bis: „Er quibus feptem confone . religue vero”

Fol. 3a: diffone eraudiuntur de (sic!) quibus pofterins dicetur...” bis: „eft duorum tonorum aceruns dictus”

Fol. 3b: „a òya id cft duo & tonus...” bis: „fuftinet a femi dicta quafi“

Fol. ta: „imperfecta & diminuta diapente...“ bis: „pilerumq!e in figuris imi"

Fol. 4b: „nutioribus inuenitur quem modum...” bis: „notula confcenderit puta ad“

Fol. 5a: „bfabmi tum ibi non mi fed fa...“ bis: „Hocum muta- tiones in cantu duro“

Fol. 50: „Tenor...“ (unter dem fünflinigem System des Beispieles) bis: („De tonis“

Fol. 6a: „Tonus eft regula per afcenfunm...* bis: „nonnunquam in alamire . tertius & quartus in“

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

Fol.

6b:

=] R

e] o~

8a:

10a:

105:

lla:

11%:

12 b:

13a:

135:

l4a:

14 b:

„Elami . quandoque in b acuto...” bis: „afcribunt tono

fi equaliter mirti”

„iint nam quum inequaliter ..." bis: „Progreffio ferti“

(unter dem Beispiel).

„formula feptimi toni..." (unter dem Beispiel) bis:

È, Sequuntur tonorum differentie”.

„Drimi toni fecunda differentia, 3a. Differentia.. .“ bis:

,Crebibi propter quob [ocutus",

„Nagnificat anima mea dominum ...” (unter dem Beispiel)

bis: ,Benedictus dominus deus ifrael”.

„Dirit dominus domino meo... (unter dem Beispiel) bis:

@,De contrapuncto & eius. elementis".

„EDncordanca (sic! E statt C) et diffimilium inter fe

vocum...” bis: „concordantiarum reiterationes“

„De quibusdam regulis contrapuncti ...”“ bis: „vnica

intenditur poce . remiffus”

„tunc tenor per quintam...“ bis: „Òifponetur : hoc modo

fcilicet”

‚mnpars...“ (unter dem Beispiel mit zehnlinigem

System) bis: „ot hac defcriptione percipt poteft”.

„Drime re Secunde re gule gule

zehnlinigem System) bis: „Secunda bduralis tritura quarta“.

..." (unter dem Beispiel mit

: ,Oecunbe naturalis tritura quinta . . ." (unter dem zweiten

System des Beispieles) bis: „pofteritas ad elegantiorem ornatamque“

„melodiam duas in partes equales .. ." bis: De paufis* „PUufa eft figura artificiofam ...” bis: „confiderationem imperfectam eriftimant perfectam"

„Vero ternariam , vt hac fefcriptione (sic!) ...“ bis: „impers fectt cfolfaut“

„Recentiores enim mufici circulum ...% bis: „quod perfectus in ipfa modus”

„confiftat in tres breues...” bis: Q finis”.

Darnach folgt noch die Übersichtstabelle der acht Kirchentöne.

Das Werkchen ist vollständig und bietet das Nothwendigste für den Unterricht in der Musik; es ist ein Leitfaden, der jedoch immerhin noch des interpretierenden Vermittlers bedarf. Als Schulbuch für Anfänger aber ist es eine der besten pädagogischen Schriften auf diesern Gebiete aus der Wende des 15. und 16. Jarhunderts.

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Es ist historisch wie pädagogisch von Interesse zu wissen, wer der Ver- fasser dieses Schriftchens ist.

Als ich die einzelnen Capitel durchlas, wurde ich sehr oft inne. denselben Wortlaut schon einmal gelesen zu haben, obschon ich das in Rede stehende Büchlein zum erstenmale in der Hand hatte. Nach dein Durchlesen des halben Büchleins war ich sicher, dass der Text mit dem von Prof. Hugo Riemann in Leipzig in den „Monatsheften für Musikgeschichte“, 1897 (pag. 147 ff), und 1898 (pag. 1ffl.) herausgegebenen „Anonymi Introductorium Musicae“ identisch sei. Da Riemann anmerkt: „Nach dem Unicum der Leipziger Universitäts-Bibliothek herausgegeben“ mehrte sich meine Freude, das kostbare Druckwerk nun auch in der Hof-Bibliothek entdeckt zu haben.

Doch stellte es sich, nachdem ich eine genaue Prüfung unseres Eremplares mit der Ausgabe Riemanns hinsichtlich des Textes vorgenommen und dann unseren Druck mit dem Facsimile des Leipziger Exemplares, das dem genannten Aufsatze beigegeben ist, verglichen hatte, bald heraus, dass die Ausgaben duch nicht stimmen. Während nämlich unser Druck nur 25 Üapitel hat, ist der Text des Leipziger in 31 solche eingetheilt. Die den beiden Ausgaben gemeinsamen Capitel aber sind bis auf ganz unbedeutende und geringfügige Redewendungen oder Ausdrücke in ihrem Wortlaut vollkommen gleich. Ich lasse zunächt die Capitelüberschriften unseres Druckes fulgen und setze daneben jene der Leipziger Ausgabe.

Wiener Exemplar | Leipziger Exemplar

l. De definitione musicae eiusque | 1. De definitione musicae eiusque divisione. . divisione.

2. De clavibus musicae. ' 9. De clavibus musicae.

€. De vocibus. 3. De vocibus.

4. De vocum proprietatibus. 4. De vocum proprietatibus.

o. De vocum mutatione. 5. De vocum mutatione.

6. De modis seu intervallis musicae. 6. De modis seu intervallis musicae.

7. De mentali vocum mutatione. 7. De mentali vocum mutatione.

8. De musica ficta. | 8. De musica ficta.

9. De tonis. | 9. De tonis.

10. De tonorum finalibus. 10. De tonorum fiualibus.

11. De cursu tonorum. | Il. De cursu tonorum.

12. De vera et infallibili tonoruin 12. De vera et infallibili tonorum

agnitione. agnitione.

13. De clavibus tonorum initialıbus. 13. De clavibus tonorum.

14. Sequuntur tonorum differentiae. 14. Sequntur tonorum differentiae. (In | dieser Ausgabe ist dieses Capitel | durch den Diuck nicht kenntlich | gemacht.)

15. De psalmorum intonatione. (Finis | musicae planae).

16. De contrapuncto et eius elementis > 16. De figuris notularum.

(= Cap. 28 im Leipz. Exempl.) |

15. De psalmorum intonatione.

Wiener Exemplar | Leipziger Exemplar

17. De quibusdam regulis contrapuncti. ; 17. De ligaturis figurarum. (= Cap. 29 im Leipz. Exempl) , 18. De compositione trium partium | 18. De pausis. contrapuncti. (= Cap. 30 im | Leipz. Exempl.) | 19. De cantilenarum conclusionibus. | 19. De modo, tempore et prolatione. (= Cap. 31 im Leipz. Exempl.) (Fiuis contrapuncti simplicis). 20. De figuris notularum. /— Cap. 16 , 20. De signis. im Leipz. Exempl.) 21. De ligaturis figurarum. (— Cap. 17 | 21. De diminutione. (Fehlt im Wiener

im Leipz. Exempl.) | Exempl.) 22. De pausis. (— Cap. 18 im Leipz. | 22. Deaugmentatione. (FehltimWiener Exempl.) | Exempl.)

23. De modo, tempore et prolatione. | 23. De tactu. (= Cap. 19 im Leipz. Exempl.) 24. De signis. (— Cap. 20 im Leipz. | 94. De figurarum imperfectionibus. Exempl.) | (Fehlt im Wiener Exempl.) 25. De tactu. (— Cap. 23 im Leipz. | 25. De puncto. (Fehlt im Wiener Exempl.) (Finis). | Exempl.) | 26. De alteratione. (Fehlt im Wiener | Exempl.) , 27. De proportionibus. (FehltimWiener

Exempl.) (Finis musicae mensu- ralis). : 28. De contrapuncto et eius elementis. = , 99. De quibusdam regulis contrapuncti. | 30. De compositione trium partium | contrapuncti. | 31. De cantilenarum conclusionibus. i (Finis contrapuncti simplicis.)

Aus dieser Vergleichung geht also unzweifelhaft hervor, dass der in Wien aufbewalırte Druck ein Vorgänger des in Leipzig befindlichen ist. Denn die gemeinsamen Capitel haben genau denselben Wortlaut der Überschriften; die letztere Ausgabe zeigt eine Vermehrung (Cap. 21, 22, 24, 25, 26 und 27 sind neu hinzugekommen), ferner eine logischere Anordnung der Abschnitte über die Mensuralmusik und den Contrapunkt. Während nämlich die 15 Capitel über die „Musica plana: in beiden Ausgaben ganz gleich geblieben sind, behandelt die Ausgabe des Wiener Exemplarea zuerst den Contrapunkt und dann die Mensur. während die im Leipziger Exemplar aufgenommene umgekehrte Ordnung die richtige ist.

Ist schon diese Beobachtung geeignet, uns zu veranlassen, an einen und denselben Auctor zu denken, so wird durch die Vergleichung des Wortlautes der Texte diese Vermuthung zur völligen Sicherheit. Mag auch jene Zeit über das literarische Eigenthum etwas weitherziger gedacht haben, als es heutzutage der

= To uem

Fall ist, ein so unverschämtes Plagiat war doch ausgeschlossen. Können wir aber nicht an ein Plagiat denken, so bleibt uns nur eines übrig: die Nothwendigkeit, auf denselben Verfasser zu schließen. Ich stelle hier den Wortlaut des ersten Capitels undjenes „De tactu^ mit allen Eigenthümlichkeiten und Abkürzungen zusammen:

| Wiener Exemplar Leipziger Exemplar

De definitione mufice ciusque De definitione Mufice | ciufque diuifione . diutitone . o MDfica eft recte modulandi fcientia (M)Vfica eft recte modulandi feien- Et deducitur a mufa vocabulo ; tia. €t deducitur ` a mufa voca- greco quod cantum fianificat pro | bulo greco quod cantum figni- que et Dergilius | mufam pofuit | ficat. | pro quo et Üergilius mufam dicendo Paftorum mufam Damoris | pofuit dicendo Pa ftorum mufam . & Alpheljibei. (Eit autem quantum. || Danmouis et Alphefibei. Eft autem | ad prefens fufficit dupler niufica | | quantum ad prefens fufficit dupler Choralis pidelicet vel plana quee | mufica Thoralis (sic!) vi: delicet vno accentu : prolationeque eriftit pel plana que pno accenti : pro:

Vas A Uma rre E mai m EE a ee Lm

Menfuralis vero que vario modo: | lationeque eriftit.. Mlenfuralis variaque pocum harmonia mo- ` vero que vario modo : variaque dulatur ðe qua pofterius dicctur., vocum harmonia modulatur : de | qua pofterius dicetur. Das Sehlusscapitel lautet: Das 23. Capitel lautet: Œ: tactu., | (?* tactu . |

TActuseft continua motio indebita (T)Actus eft continua motio in menfura contenta Tractus (sic!) © debita menfura contenta. Tactus autem per figuras & figna in fin- autem per figuras & figna in fine gulis mujice | gradibus fieri habet, gulis mufilce gradibus fieri habet. Nihil enim alind eft nif debita ct Nibil enim aliud eft nift debita conuenijens menfura modi temporis | et: conueniens menfura modi teme. & prolationis . fentdum enim ' ports: & prolationis . fecundum borum | diminutionem augnien: etim. bo'rum biminutionem & aug: tationem figure notularum fanguine. | mentationem figure notularum tan- tur, cuins priorem agnitionem figna ; gun tur. cuius priorem agnitionem indicare habent. Quot | autem pnas figna indicare habent. Quot! autem queque figurarum in fingulis etiam | pnaqueque figurarum in fingulis quantitatibus vale'at tactus inno: | etiam quantitatibus pa [eat tactus tefcit ey rejolufione figurarum ' innotefcit er refolutione figurarum fecumdumi pniuf | cuiufque figni in- : fecundum pniufcuiufque figni in: formationem Derbi gratia fi fcire | forniationem. Merbi gratia fi fcire

—— -- + cea. _ on ‘e nn X k n

Wiener Exemplar

Leipziger Exemplar

pelis quot; marina in ifto figno. . velis quot muarima im tito fiano V. contineat tactus . eam in tres o op, contineat tactus : eam in tres [on'aas refofue ac longant ipfam [on / gas refolue ac fonaam ipfam: quim perfectus in ipfa modus quim perfectus in ipfa modus

conftat in tres breues . rurfus conititat : im. tres. breues . rurfus breuem in ĝuas femibreves (huius: breuem im uas femibre ues modi enim binartam breuium refos chuusmodt enim binartam Brent: lutione numeri binarij declarat um refolutionem numeri bina rij pofitio) & habebis xviij femibreuss. derlarat pofitio) & babebis 18 tot niarima in tali figno palet.— femibreues . tot marima | in talt tactus YXXamque pna femibreuis in figno valet tactus . Hangee vna quolibet figno menfuratur tactu. femibreuis in quolibet fiano augmentatione cet proportionibus menjuratur tactu : augmentatione demptis. Derum in diminutione & proportto mibus demptis . perum pt dictum cft tertia pars. & in im diminuttone vt dictum cft femiditate © altera pars morfure tercia | pars: in femiditate altera ademitur,. & fi bDreuis in fomibdita: pars meonfure aðemitur. & fi bre tis ftg no aut confimili menfuretur uis m femtditatis figno aut con: tactu : quod iden et tangendo tare fimili menfuretur tactu : | quo? dius . | tunc marima in co figno. Wem eft tangendo tardius . tunc r.mnouem continet tactus ac lon: marma in co nouem continet tace ga tres &fte deinceps .fimilis ft tus ac [onga ties & fic deinceps . proceffus in omnibus alijs fignis | fimilis fit proceffus in omnibus. (Sinis. | alijs fignis. |

Das Verhältnis des Wurtlautes, wie es bei diesen beiden Capiteln nachgewiesen wurde. trifft bei alien anderen, beiden Ausgaben gemeinsamen Capiteln zu. Es ist evident, dass der Verfasser beider Werke (resp. Ausgaben) derselbe sein muss

Doch nicht nur der Text stimmt, sondern auch die Notenbeispiele, insofern sie in beiden Ausgaben vorkommen. Das ist umso auffallender, als die Noten dieser Beispiele im Wiener Exemplar nicht gedruckt, sondern, wie schon oben angedeutet, handschriftlich auf die vorgedruekten Systeme nachgetragen sind. Man vergleiche die Melodien auf dem Facsimile (Blatt 5a) unseres Originaies und jene der späteren Ausgabe. Zum Uapitel „De mentali vocum mutatione* haben beide ein Marginalbeispiel, enthaltend die Intonation des Introitus: „Gaudeamus omnes in Domino“; das Leipziger Exemplar hat auf vierlinigem System:

aim,

Gaude-- a- mus

uu» Mode a

unser Wiener Exemplar aber auf fünflinigem System, offenbar ganz dieselbe Melodie, die aber Schreiber, augenscheinlich durch das Fünfliniensystem beirrt, in ihrer ersten Hälfte (d. i. die ersten drei Noten) um eine Terz zu tief notierte;

statt: pa soll es heißen: ess c. 99

Gau- de - a- mus Gan - de - a - mus

Zum Capitel „De musica ficta“ findet sich im Leipziger Exemplar als Illustration für die „Uocum mutationes in cantu duro* im ,Disca'tus* folgende Melodie:

die mit jener in unserem Drucke (Vgl. Facsimile) stimmt.

Leider sind in demselben nicht die Melodien aller Stimmen eingetragen, sondern nur der Discantus vollstándig, vom Tenor etwa die Hälfte, während alle anderen fehlen, sowohl für den ,cantus mollis^ als auch füs den „c. fictus“. Fehler sind da wie dort unterlaufen: auch die in Holz geschnittenen Beispiele sind mehrfach fehlerhaft; für uns sogar ein willkommener Umstand, weil dadurch der Beweis erbracht wird, dass die Melodien in unserem Exemplar nicht erst nach den gedruckten Beispielen copiert sind, sondern unabhängig von jenen eingetragen wurden. Würen sie copiert worden, dann müsste die Intonation des „Gaudeamus“ richtig und mit den Schlüsseln des gedruckten Clichés versehen worden sein; während aber das gedruckte Beispiel die richtigen Schlüssel c und f aufweist, hat sie der Schreiber in unserem Exemplar mit c und g bezeichnet. Das g setzt er ganz falsch auf die dritte Linie, wo f stehen solite. (Um das Bild zu wahren habe ich das g beibehalten und es in den zweiten Zwischenraum von oben gesetzt.) Die mit * versehene Note fehlt im gedruckten Beispiel des Leipziger Exemplares, während sie in unserem Buche richtig auf ihrem Platze ist. Diese Melodien müssen also vor der Ausgabe mit gedruckten Beispielen eingetragen worden sein. Daraus ergibt sich mit voller Sicherheit, dass auch die Beispiele von demselben Antor stammen und dass jenen im Wiener Exemplar die Priorität zukommen müsse.

Behufs Eruierung des Auctors. des Druckers und des Jahres habe ich nun eine Reihe von musiktheoretischen Werken herangezogen allerdings mit un- gleichem Erfolg. Das positive Ergebnis ist die Feststellung des Verfassers unseres Tractates. Unter den zu Rathe gezogenen Werken war auch die „Musica“ von Johannes Cochlaeus, gedruckt zu Köln, bei Joh. Landen (Sexto Idus Juli) 1507. Dieses Büchlein hat manches Licht in unsere Frage gebracht. Schon Riemann hat in der Einleitung zu seiner Ausgabe von „Anonymi Intro- ductorium musicae“ (Monatshette fiir Musikgeschichte, 1897, S. 148-149) auf die Verwandtschaft seines „Anonymus“ mit Adam von Fulda, Tinctoris und Cochlaeus hingewiesen und bei letzterem gesagt: „Vielleicht ist aber der Ano- nymus eine bisher gänzlich unbekannte allererste Ausgabe des Cochlaeus (?) oder aber Cochlaeus entpuppt sich als Plagiator.“ Zur Vergleichung benützte ich zwei Ausgaben des Cochlaeus aus dem Besitze der

c US.

Münchener Hof- und Staats- Bibliothek. Die erste ist nicht datiert, ohne Nennung des Auctors und des Druckers; doch ist sie in der genannten Bibliothek unter ,Coch- laeus“ eingestellt (Signatur: Mus. Th. 282). Die zweite (Signatur: Mus. Th. 283) trägt als Verfasser den Namen Wendelstein. Im Kolophon dieser letzteren heiBt es: ,Finis totius musice actiue. tris in p*rtes diuise. | Opera quidem atque impensis D. Jo. wendel/stein Impresse. per honestum virum | Johanem Landen inclite Ciui | tatis Colonie ceneiué Anno j incarnationis domini 1507 | Sexto idus Julij !. Nun ist aber Wendelstein identisch mit Cochlaeus, wie zwei Verse des Hexastichon Remaclus’ von Florennes auf dem Titelblatte beweisen:

„Addidit ad musas coclei cura Johannis

Que non livor edax rumpere dente queat“. Cochlaeus ist nur eine damals übliche Übersetzung des deutschen Wortes Wendelstein. Dies war der Name des Geburtsortes des Verfassers, der eigentlich’ Dobneck hieß. (Vgl. Otto, Karl: Joh. Cochlaeus der Humanist. Breslau 1874, S. 1ff. Gess, Felician: Joh. Cochläus, der Gegner Luthers. Oppeln 1-86, S. 1.)

Die Vergleichung dieser zwei letzten Ausgaben der „Musica“ nun beweist im allgemeinen, ]. dass sie beide aus derselben Ofticin stammen, weil sie dieselben Lettern haben; 2. dass die Ausgabe der „Musica* von Cochlaeus vom Jahre 1507 nur eine Erweiterung der undatierten (Leipziger) Ausgabe ist; 3. dass die nicht datierte Ausgabe identisch ist mit dem vermeintlichen „Unicum“ anf der Leipziger Stadt-Bibliothek, dass somit der „Anonymus* Riemanns thatsächlich, wie er vermuthete, eine frühere nicht jedoch „eine bisher gänzlich unbekannte allererste* Ausgabe des Cochlaeus sei.

Im besonderen ergab die Vergleichung, dass der Text der undatierten Ausgabe in jener von 1507 zum allergrößten Theile beibehalten und durch erklärende Erweiterungen oder Citate farciert wurde. Zum Beweis für diese Behauptung lasse ich den Wortlaut der beiden Capitel, die ich oben aus den beiden undatierten Ausgaben behufs Vergleichung herangezogen habe, auch aus der ersten datierten Ausgabe von 1507 hier folgen und mache die Einschübe durch Fractur-Typen kenntlich.

„De definitione Mlufice ciufque dinifione. MUfica cft (inquit Muquftinus) recte modulandi fcientia. | Uel mufica (vt Boetio placet) eft facultas acutorem & : grauium fonorum differentias jenfu ac ratione perpendeng, Et ocbucitur a mufa vocabulo greco quob cantum fignificat. pro quo | & Uergilins mufam pofuit dicendo. Pa- ftorum mufam Damo nis & Uphefibei. Hinc poete mujas fingerunt deas ce. ma gui Jovis & memorie filias quae poetis & mufice pracefjent. Eft autem | quantum ad praefens fufficit dupler mufica Choralis pidelicet vel plaina quae pno accentu : prolationeque eriftit Omues fiquidem Huius mujice noitule . etfi Dinerfis Depingantur fiquris . equali tamen temporis menfura Debent pronunctari. Menfuralis pero que vario modo : variaque pocum | harmonia modulatur : de qua pofterius dicetur.”

Es ist evident, dass die geringfügigen Erweiterungen nur einges: hoben sind; die beiden ersten sind weniger bedeutend, die letzte bietet ei: wesent-

lıche Erklärung zum vorangehenden Satze. Die wortgetreue Herübernahme des bereits gedruckten Textes und dessen sinngemäße Erweiterung kann nur einen und denselben Verfasser zugeschrieben werden. Deutlicher noch als diesas Capitel, spricht für die gleiche Autorschaft der Abschnitt:

De tactu.

(C)?fctus eft continua motio in debita menfura contenta . | Cactus autem per figuras & figna in fingulis mufice gradibus fieri habet, Iübi euim altub eft nifi debita & comueniens men fura modi temporis & prolationis . fecundum enim horum diminutione | figure notularum tanguntur . cuius priorem agnitionem figna indicare habent Quot autem pnaqueque figurarum | in fingulis ctiam quanti- tatibus valat tactus . innotefcit er refolutione figurarum feenndum pniufceutufgte figni informationem . Wer bi gratia fi fcire velis quot marima in ifto figno.v. contineat | tactus : eam în tres longas refolue . ac longam ipfam (quim perfectu